Der Yolo-Schiefspiegler 
 

Der Yolo - das unbekannte Wesen...
... ist ein vom amerikanischen Optik-Professor Arthur Leonard (gest. 2001) entworfenes Hochleistungs-Spiegelsystem. Der Name kommt von A. Leonards Lieblings-Ferienregion in Kalifornien. (hier der Link zu einer Originalpublikation von A. Leonard)

Ein Yolo besteht aus zwei langbrennweitigen Konkavspiegeln, die gegeneinander verkippt sind. Dadurch liegt der Sekundärspiegel ausserhalb der Eintrittspupille, d.h. das System ist unobstruiert (nicht abgeschattet). Die durch die Kippung entstehenden Bildfehler (Koma und Astigmatismus) werden durch geeignete Deformation der Spiegel vollkommen behoben, ebenso der Oeffnungsfehler. In meinem Standard-Yolo ist der Primärspiegel hyperbolisch, der Sekundärspiegel besitzt eine Toroidfläche (keine Rotationsfigur, sondern eine mit zwei verschiedenen Radien in senkrecht zueinander stehenden Achsen. - Ein Toroid erhält man z.B., wenn man eine Kugel an beiden Polen zusammendrückt). Dass solche exotischen Flächen auch durch den Amateur zu schleifen sind, hat die Yolo-Gruppe der SAG in den letzten Jahren vielfach bewiesen. Es ist kaum schwieriger, als ein gutes Paraboloid zu schleifen! Das Design hat verschiedene Vorteile gegenüber dem traditionellen Schiefspiegler nach Kutter. Es lässt sich lichtstärker bauen, die Abbildung ist über ein grosses Gesichtsfeld hervorragend korrigiert, und das Gerät ist für den Selbstbau wie geschaffen: Die langbrennweitigen Konkavspiegel lassen sich sehr genau fertigen und prüfen, so dass die Herstellung eines wirklich erstklassigen Instruments nicht sehr schwierig ist.

Systemdaten meines Instruments

Primärspiegel Durchmesser 153 mm; R1 = 6000 mm; k = -3.5 (hyperbolisch); Kippwinkel 4.28°

Sekundärspiegel Durchmesser 135 mm; R2 sag = 7260 mm; R2 mer = 7407 mm; Kippwinkel 4.28°

Fest eingebauter Planspiegel, Durchmesser 90 mm, zur Verkürzung des Tubus; Kippwinkel 41 °.

Freie Öffnung 153 mm; Brennweite 1932 mm. Tubuslänge ca. 110 cm. Gewicht: ca. 12 kg.

 
Schliff des Toroids: Der 13.5 cm Toroidspiegel besteht aus DURAN-50 von Schott. Der  Spiegel wurde zunächst auf den durchschnittlichen Radius sphärisch gearbeitet und poliert. Dann wurde nur noch in zwei Richtungen poliert, also ohne gegenseitige Rotation von Spiegel und Schleifschale, und der Radius mit Spiegel oben in der einen Achse verkürzt, in der 90° versetzten Achse mit Spiegel unten verlängert. Um ein unbeabsichtigtes Verdrehen von Spiegel und Schleifschale zu verhindern, benutzte ich ein Parallelogramm aus Messingschienen, das am Schleiftisch festgeschraubt und am Spiegel angetapt wurde. Eine andere Methode besteht darin, den sphärischen Spiegel mit einer Spannfassung in die gerade richtige Toroidform zu pressen, im verspannten Zustand zur Sphäre zurückzuschleifen und -polieren, und nachher zu entspannen.
Der Toroidspiegel kann konventionell mit Foucault getestet werden. Wichtig ist, dass  Lichtspalt und  Schneide mit der Meridional- bzw. Sagittalachse übereinstimmen. Er wird deshalb drehbar angebracht.
 

Spiegelzellen 
Die Justierung läuft quasi-kardanisch über zwei (statt drei) Schrauben und Gegendruckfedern. Zwei rechtwinklig zueinander stehende Justierachsen vereinfachen die Kollimierung gegenüber den dreiachsigen Systemen erheblich.
 

Tubuskonstruktion 
Ein Kasten, nebenstehend im Rohbau, aus 10 mm Rippen, Fichtenleisten und 4mm Sperrholz, um den 1:1 gezeichneten Strahlengang herum gebaut, mit schwarzem Samt ausgekleidet. - Der Samt hat nebst einer ausgezeichneten Streulichtdämpfung den schönen Spiegeln schon mal das Leben gerettet bei einem Sturz auf der Kellertreppe...
 

 

Optische Leistung
Die Beobachtungen am Himmel zeigen, dass der Yolo den Vergleich mit APO-Refraktoren der obersten Preisklasse nicht zu scheuen braucht. Die ausgezeichnete Schärfeleistung und der hohe Kontrast kommen besonders bei der Planetenbeobachtung, aber auch an Deepsky-Objekten zum Tragen. Sämtliche in der SAG-Yologruppe hergestellten Instrumente haben die hohen Erwartungen ihrer Erbauer erfüllt.

Hier sind Testbilder dieses Instruments mit verschiedenen Prüfverfahren, ausgeführt von Alois Ortner 2003.

Yolo-Links

SAG-Fachgruppe YOLO, die schweizerische Yolo-Gruppe

CCD-Aufnahmen


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