Sternwarte
  von Daniel Steiner

8° 54' 27.4" E / +47° 33' 31.5"    430 m ü.M.

Obschon in einer enorm lichtverschmutzten Gegend des schweizerischen Mittellandes, in der Stadt Frauenfeld (Infos zur Lichtverschmutzungs-Problematik hier), schätze ich die Möglichkeit, jederzeit wenn es die Witterung erlaubt, das Dach aufzuklappen und zu beobachten, sei es auch nur für eine halbe Stunde. So ist es möglich, 60 und mehr Beobachtungseinheiten pro Jahr durchzuführen, trotz lausigem Klima und anderweitigen "Belastungen" durch Beruf, Familie und weitere Hobbies.

Meine Gartensternwarte hat eine Grösse von 2.5 x 2.5 m, ist genau auf meine Bedürfnisse zugeschnitten und ganz aus Holz gebaut. Das Klappdach braucht weniger Gartenfläche als z.B. ein Schiebedach und ist technisch einfacher auszuführen. Die Wände und Dachflächen sind einfach demontierbare Einzelelemente, wie bei einer Baracke. Diese Konstruktionsweise war ein grosser Vorteil beim Umzug auf unser neues Grundstück!
Die Rahmen sind 6x6 cm starke Tannenlatten, die Schwellen 8x12 cm Lärchenhölzer. Die Schwellen ruhen auf vier 20 cm dicken Betonrohren, die z.T. versenkt sind, um das abfallende Terrain auszugleichen. Die Verschalung sowie der Boden sind 2 cm starke genutete Tannenbretter. Die übereinandergreifenden Dachhälften sind mit 4 mm Pappelsperrholz und drauf geklebt 2 mm Dachpappe gedeckt. Diese musste ich nach etwa 6 Jahren erstmals erneuern. - Gummistreifen sorgen an den Scharnierseiten für Dichtheit, da das Klappdach keinen Traufvorsprung zulässt. Als Sturmsicherung dienen grosse Kistenverschlüsse an den innern Giebelseiten. Das Öffnen geschieht mit einer 2.40 m langen, mit Haken versehenen Stange und ist eine etwas athletische Übung, aber mittlerweile habe ich die Technik raus, und es geht mit den richtigen Handgriffen ziemlich mühelos.. Zwei Anstriche mit weisser Holzschutzlasur schirmen das Holz etwas gegen Witterungseinflüsse ab. Das Häuschen ist dicht, fast zu dicht, das merkt man nach taureichen Nächten. Eine zusätzliche Lüftungsmöglichkeit wäre nützlich. - Die elektrische Versorgung erfolgt über ein Anschlusskabel ans Haus, mit Fehlerstrom-Schutzschalter abgesichert. Sie speist die Beleuchtung (je 2 dimmbare Weiss- und Rotlichtlampen), Tischbeleuchtung, Steuerungscomputer, Motorspeisung, CCD-Kamera, Taukappenheizung, Laptop etc.

Der einzige Wermutstropfen ist, wie eingangs erwähnt, die alles andere als optimale Beobachtungslage. Der Südhorizont ist durch den nahen Wald recht hoch - die tiefste Lage der Ekliptik z.B. ist in den letzten Jahren durch dessen Zuwachs nicht mehr beobachtbar. Umstehende Bäume der Nachbargärten und vor allem die vielen Lichter in der Umgebung machen Deepsky-Beobachtungen frustrierend. Am schlimmsten aber ist die allgemeine Aufhellung des Nachthimmels: In den 20 Jahren, die ich nun vom Rand meiner Stadt schon beobachte, hat sich durch sinnlose, überdimensionierte und gegen oben gerichtete Beleuchtungsinstallationen im öffentlichen Raum und im Gewerbegebiet, aber auch auf Privatgrundstücken, die Sichtbarkeit des Nachthimmels drastisch verschlechtert. Deshalb konzentrieren sich meine Beobachtungen fast nur noch auf das Sonnensystem. Ein paarmal im Jahr fahre ich dafür an einen noch einigermassen dunklen Beobachtungsplatz in den Bergen, wo ich mich mit meinem 32 cm Dobson für die zuhause entgangenen Genüsse schadlos halte....

Der Hohlraum unter dem Sternwartenboden dient gelegentlich einer Igelfamilie als Nistplatz. Das riecht man dann recht deutlich, aber solche Gäste toleriere ich gern! Ausserdem haben wir vor ein paar Jahren Larven des Ameisenlöwen hier angesiedelt. Sie gedeihen Jahr für Jahr prächtig und halten die zahlreichen Ameisen von meinem Instrumentarium fern.


Das "Kommandopult"

Ein kleines Möbel aus dem Brockenhaus wurde auf Rollen gestellt, mit zusätzlich aufklappbarer Ablagefläche und  Kabeldurchführungen sowie einem dimmbaren Rotlichtlämpchen versehen. Es dient hervorragend als Arbeitstisch, Kontrollterminal, Zubehörfach und Bücherregal. Einfach praktisch!



Die Instrumentierung

Hier ist die Instrumentensäule mit der schweren Sternwartenmontierung und den beiden am meisten verwendeten Teleskopen zu sehen. Auf dem linken Bild der 15 cm Yolo-Schiefspiegler, rechts der 30 cm Maksutov von E. Popp.. Es können Geräte bis ca. 35 kg Gesamtgewicht auf die Grundplatte aufgeschraubt werden.

 

Ein Bericht über meine Sternwarte ist in Interstellarum 22, Juni 2002, erschienen.


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