Der fast fertig retouchierte 32.5 cm Planspiegel in seiner Holzkiste. Der ausgebohrte Zapfen ist noch nicht entfernt.
Durch die Arbeit von Alois
Ortner habe ich mich von den Vorteilen eines grossen Planspiegels
für jegliche Testarbeit überzeugt.
Ein solcher erlaubt die Prüfung von allen Teleskopoptiken
in Autokollimation, die Prüfung von Parabolspiegeln als Nulltest
- Zonenmessungen ade! - , sowie die exakte Kollimierung beliebiger
Systeme. Voraussetzung ist, dass der Spiegel möglichst exakt
plan und zonenfrei ist.
Krümmungsradien von besser als etwa 40 km sind anzustreben.
Wenig Krümmung beeinträchtigt die Messung von Systemen
kaum. Wichtiger ist die Zonenfreiheit, die besser als Lambda/10
PTV betragen sollte. Ein Wert, der bei Spiegeln dieser Grösse
für Amateure nicht einfach einzuhalten ist.
Als Spiegelträger verwende ich BVC-Glas
(Black Vitrefied Ceramic) von einer Kanadischen Firma. Dieses
Material hat etwa den gleichen Ausdehnungskoeffizienten wie Duran
von Schott, dessen Beschaffung leider schwierig geworden ist,
seit Schott keine Standard-Rundscheiben in Amateurgrössen
mehr lagert. Die Wärmeleitfähigkeit von BVC ist wesentlich
höher, wodurch der Spiegel schneller auskühlt. Dies
ist sowohl beim Prüfen als auch im Gebrauch von einigem Nutzen.
Dank seiner Weichheit schleift und poliert sich das Material sehr
schnell. Es ist dadurch allerdings auch kratzerempfindlicher als
Duran. Es ist ausserdem recht kostengünstig. Ein Nachteil
ist vielleicht, dass die Platte aus drei Schichten gesintert ist.
Dazwischen sind kleine Einschlüsse, wahrscheinlich Luftblasen,
sichtbar. Diese könnten sich bei Temperaturwechseln bemerkbar
machen. Vor allem würden sie stören, wenn sie beim Schliff
von tiefen Wölbungen zum Vorschein kämen. Bei meinem
Planspiegel habe ich keinen nachteiligen Effekt bemerkt.
Zum Einsatz in Autokollimation
muss der Spiegel zentral durchbohrt sein. Dies geschieht
nach dem Grobschliff mit einer geschlitzten Bohrbüchse (Stahlrohr)
und Karborundum an der langsam laufenden Bohrspindel und ist bei
einer Plattendicke von (in diesem Fall) 34 mm in weniger als einer
Stunde erreicht. Die Ränder der Bohrung werden angefast,
der ausgebohrte Kern wird anschliessend wieder eingegipst und
nach dem vollständigen Durchtrocknen mit Wachs abgedichtet
gegen Feuchtigkeit.
Oben: Am fertigen Spiegel ist der Zapfen entfernt. Ganz rechts
die Bohrbüchse aus Stahlrohr.
Der Schliff erfolgte aufwendig nach der Dreiplattenmethode:
Der Spiegel und zwei Schleifschalen (ein Tiletool und eine Gusseisen-Planscheibe)
werden in allen Kombinationen abwechselnd aufeinander geschliffen.
Die Planizität am Ende des Feinschliffs erreicht etwa 1/1000
mm.
Zur Politur verwendete ich verschieden grosse Tools: eines mit
vollem Durchmesser, aber meist leicht reduziertem Rand, ein kleineres
Tool mit etwa 20 cm Durchmesser, und für Lokalretuschen ein
95 mm Tool mit rosettenförmiger Facettierung. Gearbeitet
wurde in der Regel mit Spiegel unten.
Der sphärische Testspiegel:
Durchmesser 32.5 cm, Radius ca. 5700 mm
Diesen hatte ich zunächst und eigens zur Prüfung des
Planspiegels hergestellt. Schliff und Korrekturen erstreckte sich
infolge unseres Umzugs über zwei Jahre. Die letzten Korrekturen
hatten es in sich: Die Zonenretuschen mit Wattebausch, abwechselnd
mit der Bearbeitung unter dem vollen Tool, dauerten Wochen. Schliesslich,
im Februar 2002, waren etwa lambda/20 erreicht und eine fürchterlich
zerfurchte Oberfläche, die von vielen Kratzern herrührt,
welche sich nach so langer Arbeit unter wechselnden räumlichen
Umständen und auf ziemlich harter Pechhaut kaum vermeiden
liessen. Entscheidend ist für diesen Zweck aber die genaue
Sphäre; die Kratzer stören nur im kosmetischen Sinn.
Anders wäre es bei einem Teleskopspiegel, wo diese Kratzermenge
deutlich wahrnehmbares Streulicht erzeugen würde. - Hier
wird deutlich, wie empfindlich der Foucaulttest bei langen Radien
ist. Lambda/20 sind problemlos zu sehen.
Oben: der fertig korrigierte sphärische Testspiegel.
Durchmesser 324 mm, Radius 5703 mm. Die Restfehler liegen in der
Grössenordnung von lambda/20.
Versilberung des sphärischen Spiegels
Bei dreimaliger Refelxion an unverspiegelten Glasflächen
kommen nur etwa 0.0064 % des Lichts zurück - zuwenig für
einen Test mit normaler Halogenlampe. Wenn der sphärische
Spiegel versilbert ist, sind es immerhin 0.15 %, was für
den Test unter verminderter Raumbeleuchtung ausreicht. Die erheblichen
Kosten für eine fachmännische Aluminisierung habe ich
mir gespart, da die Sphäre ohnehin später zu einem Teleskopspiegel
umgearbeitet wird. Eine Versilberung kostet einen Bruchteil (wenige
Fr.) und kann selbst gemacht werden...
Anleitung zum chemischen Versilbern von Glas hier

Politur
und Prüfung des Planspiegels: Foucaulttest
Die Prüfung erfolgt nach Texereau
gegen den langbrennweitigen Kugelspiegel unter einem Winkel von
45°. Jede Abweichung vom Planum zeigt sich im Okular mit dem
künstlichen Stern als Astigmatismus; im Foucaulttest können
die geringsten Zonenfehler erkannt werden. Die Prüfung ist
doppelt empfindlich, da das Licht an der Planfläche zweimal
reflektiert wird. Die Planizität der Fläche ist unter
dem Foucaulttestaber nicht direkt messbar, nur Zonenunterschiede!
Zwei Stadien der Korrektur des Planspiegels. Prüfung gegen
Sphäre unter 45°.
Politur und Prüfung des
Planspiegels: Okulartest
Eine Punktlichtquelle (künstlicher Stern) erzeugt ein astigmatisches,
strichförmiges Bild, wenn der unter 45° angeordnete "Plan"spiegel
eine Krümmung aufweist. Konkav oder konvex? Dies ist an der
Lage der astigmatischen Figur abzulesen. Die Faustregel lautet:
HIVO konvex (Horizontal Inside, Vertical
Outside = convex).
Oben: Astigmatisches Bild des künstlichen Sterns im Okular.
Wie viel Astignmatismus bedeutet wieviel Krümmungsradius?
Für die Formel siehe Texereau. Bei meinem Spiegel bedeutet
eine astigmatische Differenz von 1 mm (wenn sich Lichtquelle und
Okular gemeinsam verschieben - deutlich zu sehen und auch messbar!)
einen Krümmungsradius von 44 km. Das wäre eine Wölbtiefe
von lambda/2. Die Prüfung ist bei Radien ausserordentlich
empfindlich. Um festzustellen, welche Zonen plan (also mit Radius
von wenigstens 100 km) sind und welche noch einen merklichen Radius
aufweisen, habe ich den Spiegel mit verschiedenen Ringmasken abgedeckt
und die Abbildung des künstlichen Sterns im 7.5 mm Okular
beobachtet.- Auf dieselbe Weise kann man z.B. auch seinen Fangspiegel
gegen den Teleskopspiegel prüfen und schauen, ob der wirklich
plan ist. Abweichungen von mehr als lambda/2 kommen durchaus vor
und machen sich in der Abbildung gnadenlos bemerkbar.
links der Planspiegel, rechts der versilberte sphärische Spiegel. unter 45° zueinander stehend. Die Vorrichtung erlaubt mit Stellschrauben die millimetergenaue Positionierung des Reflexes auf den 3 m entfernten Prüfstand. Die Spiegelscheiben sind mit einem Dicken-Durchmesser-Verhältnis von rund 1:10 ziemlich flexibel. Die Durchbiegung sieht man in der Foucaultprüfung bereits als "dicken Bauch" in der unteren Spiegelhälfte. Der Betrag ist aber verschwindend gering und spielt keine Rolle.
Durch das Entfernen des Zapfens hat sich
die Figur zum Glück nicht verändert.
Nachdem sich das Projekt über 3 1/2 Jahren hingezogen hat, ist die Endprüfung ein besonderer Anlass (siehe ganz unten). Besser als lambda/8 PTV, lautet das Verdikt des Fachmanns. Gerade noch gut genug für die Autokollimation, wo die Fehler des Teleskops doppelt, die des Planspiegels nur einfach zur Wirkung kommen.
Zum Schluss muss ein schönes Kistchen gebaut werden für sichere Verwahrung und Transport. Ab zum Aluminisieren! Wo? Natürlich hier!
Prüfung des fertigen Spiegels in Autokollimation gegen einen hochgenauen Parabolspiegel am 19. Juli 2003 durch Alois Ortner.