Das Leben ist bunt, der Himmel eigentlich auch. Um einem Monochrom-CCD-Chip (wie er in meiner Cookbook-Camera vorhanden ist) farbige Bilder zu entlocken, nimmt man die Einzelfarben durch entsprechende Filter separat auf und kombiniert sie im Verlauf der Bildbearbeitung zum Farbbild. Damit die Filter schnell gewechselt werden können, ohne dass sich das Objekt verschiebt, braucht man ein Filterrad. Natürlich kann man sowas auch fertig kaufen. Viel mehr Spass macht es aber, selber eines zu bauen, und billiger ist es auch!
Der Filtersatz mit drei dichroischen 25 mm Filtern ist bei Edmund Scientific für rund 60 US$ zu haben (Katalog Nr. L52-549). Dazu braucht es noch ein IR-Blockfilter (Kat. Nr. L54-926) für ca. 46$. Macht total etwa 150 SFr. bzw. 100 Euro. Hightech muss nicht teuer sein!
In meiner Werkstatt liegen stets allerlei Aluminium-Abschnitte herum, da findet sich meistens etwas Passendes. Ein Rohrabschnitt mit 120 mm Durchmesser und 3 mm Plattenmaterial für die Deckel und den Filterträger, Vollmaterial für den Drehknopf, eine Messingachse und zwei kleine Kugellager, Rohrmaterial für die teleskop- und kameraseitigen Anschlüsse, dazu noch Schrauben, wenig Kleinmaterial und ein Wochenende an der Drehbank - und fertig ist das Wunderding.
Das Gerät ist voll gekapselt, denn verstaubte Filter machen keine Freude. Die Drehscheibe hat acht Raststellungen, sie nimmt bis zu 6 Filter auf, bestückt sind aber nur drei, nämlich Cyan, Yellow und Magenta. Ein Loch ist leer für die Weiss-Aufnahme und eine Raststellung ist ohne Loch, fürs Darkframe. Ein RGB-Filtersatz hätte also auch noch Platz. Das IR-Blockfilter kann separat mit einem Hebelchen dazugeschaltet werden.
Ich habe auf eine motorische Betätigung verzichtet, um
das Projekt nicht allzu kompliziert zu machen. Der Vorteil dabei
wäre, dass man während einer Aufnahmeserie das Gerät
nicht anzufassen braucht - Ich habe diesen Luxus bislang nicht
vermisst, und auch schnelle Bildfolgen bei Planetenaufnahmen sind
machbar, wenn das Okularende des Teleskops in Griffweite ist.
Aber wieso CMY? In einem Aufsatz in Sky&Telescope hat Richard
Berry ausgeführt, dass CMY gegenüber RGB-Aufnahmen kürzere
Belichtungszeiten erlauben, weil mehr Licht durchs Filter geht.
Dies ist im Prinzip wohl richtig - dem entgegen stehen allerdings
die Schwierigkeiten mit dem Farbabgleich, der mit RGB offenbar
leichter geht. Man lernt nie aus... Vielleicht kann ich näheres
dazu sagen, wenn ich mal beide Filtersätze nebeneinander
montiert habe.
Verschiedene Ansichten des Filterrads. Rechts mit angeschlossener Cookbook-Camera.
Links: Orinneben M42,
Zentrum mit Trapez.
Unten: M82 im Grossen Wagen.
Beide Aufnahmen mit 153mm
f/12 Yolo und Cookbook
245 Kamera.
