Natürlich kann man den Diagonalspiegel für sein Selbstbau-Newtonteleskop
auch fertig kaufen.
Aber je grösser der (nehmen wir mal an erfolgreich vollendete!)
Hauptspiegel, desto grösser in der Regel auch der Fangspiegel.
Und leider kann das ziemlich teuer werden - mir waren jedenfalls
die 450 SFr. wesentlich zuviel, die ich neulich für einen
mit 75 mm kleiner Achse hätte auslegen müssen. In Anbetracht
all der weiteren notwendigen Ausgaben fürs neue 12.5 Zoll
Dobson entschloss ich mich, in den sauren Apfel zu beissen: Selbermachen
ist auch hier angesagt! Das dauert zwar, kostet dafür aber
fast nichts. Und nachdem ich auch schon einen 32.5
cm-Planspiegel für Prüfzwecke erfolgreich zu Ende
gebracht hatte und all die benötigten Hilfsmittel in meiner
Werkstatt vorhanden sind, schreckte mich die Aufgabe nicht besonders.
1. Der Rohling
Die Rohscheibe für einen 45° elliptischen Planspiegel
mit 75 mm kleiner Achse muss mindestens Wurzel 2 mal grösseren
Durchmesser haben. Mit etwas Toleranz fürs Abrichten benötige
ich also eine 110 mm-Scheibe. - Woher nehmen? Die Duran-Rohlinge
in meinem Glaslager waren alle zu dick; ich plante ein Verhältnis
(Dicke / kleine Achse) von ca. 1:10. Da bot sich noch das lange
gebunkerte Stück Glasregal mit 7.8 mm an!
Planschliff geht am einfachsten mit der Dreiplatten-Methode. Also
gleich drei Scheiben aussägen, wenn wir schon an der Arbeit
sind. Das heisst zunächst eine Lochsäge
passenden Durchmessers herrichten:
Mangels besserem Material in
der benötigten Grösse drehe ich ein Stück Alu-Rohr
auf Innendurchmesser 110 mm und passe eine Grundplatte ein, die
den Zapfen aufnimmt. Die Platte wird an zwei, drei Stellen durchbohrt.
Die Stirnfläche ist am breitesten; weiter hinten wird das
Rohr innen und aussen hinterschnitten, damit die Säge in
der Bohrung nicht klemmt, und mit unregelmässig verteilten
Einschnitten versehen. Die Tiefe des Bohrers beträgt innen
etwa 20 mm; es dürfen auch bedeutend mehr sein. Die Bohrbüchse
wird zum Schluss am Zapfen laufend überdreht, damit sie rundläuft.
Empfohlen wird Messing oder Stahl, weil diese Materialien standfester
sind (auch eine Konservendose funktioniert!), aber Alu liegt nun
mal in allen Dimensionen bei mir herum, also versuche ich's damit!
Der Bohrer wird in die Säulenbohrmaschine
eingespannt. Die Schaufensterscheibe habe ich beidseitig mit Acrylfarbe
dick eingepinselt, als Schutz vor Kratzern. Ein Kragen aus Kunststoffband
wird mit flüssigem Bienenwachs auf die Scheibe geklebt. Als
Unterlage verwende ich eine Faserplatte, und die Maschine wird
mit Plastik abgedeckt. Die Tiefenfeststellung wird eingestellt,
ein paar Löffel wiederverwendetes Karbo 80 mit Wasser dazugegeben,
und los gehts.
Was man hier nicht sieht: Ein Gehörschutz wird dringend empfohlen!
Mit Gefühl und etwas Druck senkt man nun den mit etwa 300
U/min.(besser wäre noch langsamer, aber das kann meine Maschine
nicht) laufenden Bohrer auf die Glasplatte und lässt die
Maschine ihre Arbeit tun. Immer wieder entlasten und wieder absenken,
ab und zu neues Karbo/Wasser zufügen. Am Schluss nur noch
ganz wenig Druck, um grosse Ausbrüche auf der Unterseite
zu vermeiden. Die 8 mm Platte ist in etwa 10 Minuten durch, das
Werkzeug nach drei solchen Scheiben ebenfalls. Die Unterkante
der Scheiben weist eine Braue auf, da der Bohrer nicht auf dem
ganzen Umfang gleichzeitig durchstösst, wenn die Scheibe
nicht absolut eben aufliegt. Hier stört das nicht, aber beim
Elliptischsägen muss dem vorgebeugt werden durch Aufkitten
von zwei dünnen Glasscheiben.
Die Scheiben werden dann natürlich noch mit dem Karbostein und viel Wasser beidseitig angefast.
Eine wichtige Frage ist sodann
die Spannungsfreiheit des Glases.
Diese lässt sich mittels polarisiertem Licht überprüfen.
Woher nehmen? Ein TFT-Bildschirm (z.B. Laptop) liefert solches
gratis. Ich lege die Scheiben auf den weissen Schirm und betrachte
(bzw. fotografiere) sie durch ein Polfilter (Fotozubehör),
das ich langsam drehe, bis der Hintergrund schwarz erscheint.
Es sind nun keinerlei Farbmuster oder Helligkeitsunterschiede
zu sehen, ein Indiz, dass das Glas hinreichend spannungsfrei sein
dürfte.
Dass man mit dieser Methode
Spannungen tatsächlich erkennen kann, zeigt dieses Bild einer
asphärischen Pressglaslinse aus einem Projektor. In der Hand
das Polfilter. Es wird ein herrlich buntes Farbmuster sichtbar.
- Mit dieser Versuchsanordnung kann man stundenlang herumspielen
und Polarisationsmuster studieren: Plastikschächtelchen,
verschiedenste Folien, Linsen, Fenstergläser, Brillengläser,
Eisplatten...
2. Prüfung auf Ebenheit mit Interferenztest
Am einfachsten und schnellsten geht die Flächenprüfung gegen eine Referenz-Planfläche in Form eines Passglases. Mir steht ein schönes dickes Planglas mit 10 cm Durchmesser und Lambda/9 P-V Gesamtgenauigkeit zur Verfügung, gefertigt von einem hilfsbereiten Optikprofi (um ihn vor diesbezüglichen Anfragen zu schützen, soll er hier nicht genannt werden...)
Weiter profitiere ich von der
hier abgebildeten Bastelarbeit eines meiner älteren Schleiferkollegen:
ein Prüfapparat mit dem praktisch monochromatischen Licht
einer Niederdruck-Natriumdampflampe, Wellenlänge 589.3 nm
(Mittelwert der beiden nahe beieinander liegenden Na-Linien -
damit sind die gelben Strassenbeleuchtungen bestückt). Die
Interferenzstreifenzwischen zwei aufeinanderliegenden Flächen
lassen sich damit sehr kontrastreich darstellen. Es funktioniert
aber auch z.B. mit einer gewöhnlichen Leuchtstoffröhre,
dabei werden die Streifen bunt, weil Licht mit diversen diskreten
Wellenlängen interferiert, und das ganze bringt weniger Kontrast.
Die Lampe (im beschrifteten Gehäuse oben) leuchtet eine Mattscheibe
aus. Das Licht fällt nach unten durch die schräggestellte
klare Glasscheibe auf das Planglas. Die Reflexion kann über
die Glasscheibe bequem von vorn betrachtet werden, als würde
man senkrecht auf das Planglas schauen. Dies ist wichtig, weil
schräge Betrachtung das Messergebnis verfälscht. Der
Kasten ist mit schwarzem Flockenpapier ausgekleidet bzw. schwarz
gestrichen.
Passglas und Prüfling werden peinlichst gereinigt. Ich verwende
Kleenex-Tücher, Isopropanol und pro Fläche ein winzigkleines
Tröpfchen eines Putzmittels namens "Sigolin", das
für die Reinigung von Messing verwendet wird (Geheimtip vom
erwähnten Profi!). Ebensogut kann man sich wohl eine dickflüssige
Mischung aus Spiritus, Salmiakgeist und Schlämmkreide zubereiten.
Die Mischung macht die Glasoberfläche besonders geschmeidig.
Auf das gereinigte und staubfreie (Haarpinsel!) Passglas wird
das ebenso saubere Prüfstück vorsichtig aufgelegt. Sofort
erscheinen die Interferenzstreifen. Wenn die Gläser nicht
absolut staubfrei sind, besteht die Gefahr von Kratzern. Diese
kann man mindern, indem man am Rand drei um 120° versetzte
Streifchen Alufolie als Abstandhalter unterlegt.
Eine noch unbearbeitete Glasscheibe
im Interferenztest. Die Fläche ist durchs Aussägen in
zwei Richtungen verworfen. Die absolute Abweichung kann man durch
Abzählen der Streifen ermitteln, die von einer über
die Fläche gelegten Geraden geschnitten werden: jeder Streifen
entspricht hier einer halben Wellenlänge (589/2=295 nm oder
ungefähr 1/4 eines tausendstel mm).
3. Schleifen
Zu Beginn sollten die Spiegelrückseiten plangeschliffen
werden, um Astigmatismus vorzubeugen und die Oberfläche zu
entspannen.
Die drei Scheiben werden in einem strengen Turnus abwechselnd
aufeinander geschliffen. Je nach Ebenheit und Kratzern kann man
mit Karbo 400 oder sogar 600 beginnen. Gegen Ende des Feinschliffs
darf kein Druck auf die relativ dünnen Scheiben mehr ausgeübt
werden. Die Genauigkeit erreicht so gegen 1/1000 mm.
Eine Schleifsequenz kann z.B. so aussehen:
1 auf 2; 2 auf 3; 3 auf 1; 2 auf 1; 3 auf 2; 1 auf 3 - und wieder von vorn...
Der Schleifprozess wird mit einem oder zwei Durchgängen Feinstschmirgel
M304 abgeschlossen.
4. Polieren
Poliert wird auf einer Pechhaut
etwas grösser als die Spiegelscheibe. Die Pechkonsistenz
soll normal bis etwas auf der harten Seite sein. Polierstriche
1/3 bis 1/4 und leicht w-förmig. Zeitweise lege ich ein 2.5
kg-Gewicht auf, um das Auspolieren zu beschleunigen. In diesem
Stadium prüfe ich die Figur etwa alle 30 Minuten, damit sie
nicht entgleist. Eine 110 mm Floatglas-Scheibe ist in rund 4 Stunden
bis zum Rand auspoliert.Meist poliere ich mit Spiegel oben (MOT,
mirror on top). Dabei ist die Isolation der Scheibe gegen die
Handwärme sehr wichtig, besonders am Rand, wo man sie anfasst.
Ich nehme hierfür eine Korkplatte, Moosgummi oder Schaumstoff-Folie.
5. Zonen korrigieren
Links ein fortgeschrittener
Korrekturzustand: Die Abweichung eines mittleren Streifens
zur Geraden zeigt eine Genauigkeit
von rund lambda/4 an.
Für die korrekte Interpretation der Messung ist entscheidend
zu wissen, ob eine Wölbung konvex oder konkav bedeutet. Angenommen,
im nebenstehenden Beispiel drückt man auf den rechten Rand
(bei 3 Uhr), und die Streifen werden zahlreicher, dann hat man
es mit einer leichten Vertiefung der Mitte zu tun, also konkav.
Werden die Streifen breiter und weniger zahlreich, gilt das Gegenteil.
Meistens wird der Rand etwas abgesunken sein, das ist auch hier
der Fall und vor allem in der rechten Bildhälfte leicht zu
erkennen.
Die Streifen sollten nicht zu zahlreich sein; etwa 6 - 8 sind
für diese Flächengrösse ideal. Vor der Messung
müssen die Scheiben erst ruhen, bis sie im thermischen Gleichgewicht
sind.
Wie empfindlich die Spiegelscheibe auf Wärmeunterschiede reagiert, ist in dieser Videosequenz zu sehen (*.mov-Datei, 4 MB Download; Quicktime Player erforderlich): Der Planspiegel wird kurz angehaucht. Dies genügt, ihn um nahezu 2 Wellenlängen konkav zu machen, da sich die Rückseite mit der zugeführten Wärme etwas ausdehnt!
6. Elliptisch bohren
7. Retuschieren
8. Verspiegeln
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